Die Bremer Stadtmusikanten

2018

Premierenbericht in der Friedberger Allgemeinen vom 5.11.2018

Zusammen sind die Schwachen stark

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Hahn, Eselin, Hund und Katze beschließen, das Haus des Müllers und der Müllerin zu verlassen und nach Bremen zu ziehen. Bild:  Heike Scherer

Die Marionettenbühne Mering zeigt heuer das Stück „Die Bremer Stadtmusikanten“-

Viele Kinder genossen die Premiere der Marionettenbühne Mering, und auch die Erwachsenen hatten ihren Spaß mit der Neuinszenierung des Märchens „Die Bremer Stadtmusikanten“ Vor zwölf Jahren wurde das diesjährige Märchens der Gebrüder Grimm unter Regie des Gründers der Volksbühne, Martin Schallermeir, erstmals aufgeführt. Alle Requisiten und Marionetten stammen noch aus dieser Zeit. Die Hauptfiguren des Märchens – Esel, Hund, Katze und Hahn – hatte allerdings Kurt Schiller angefertigt.

Schaurige Szenen und heitere Momente

Der Vorsitzende der Volksbühne Mering, Gottfried Wohlmuth freute sich, dass so viele Besucher schon zur Premiere der Neuinszenierung von „Die Bremer Stadtmusikanten“ kamen. Erzählt wird die Geschichte von vier Tieren, die sich gemeinsam aufmachen, um ihr Leben in Freiheit zu genießen. Schaurige Szenen mit einer Räuberbande lösten sich ab mit heiteren Momenten, die kleine und große Besucher zum Lachen brachten.

In den Umbaupausen unterhielt Sabine Amann die Zuschauer mit einer Mischung aus eigenen Melodien und Volksliedern wie „Im Wald von Toulouse“ oder „Die alte Moorhexe“ auf der Zither. Sie ist zum zweiten Mal an den Wochenenden im Einsatz, während bei den Vormittagsaufführungen Elli Seidel ihre Rolle übernimmt. „Als es zwei Jahre lang keine Musik gab, meldete ich mich freiwillig, weil mir diese Tradition abging“, verriet die Lehrerin.

Besucher kommen bis aus Augsburg

Die sechsjährige Mara und ihre fünfjährige Schwester Andra kamen mit ihrer Oma aus Augsburg nach Mering. Sie waren begeistert, wie die Tiere redeten und die Räuber plötzlich solche Angst bekamen und waren gespannt, wie das Märchen ausgehen werde. Der Meringer Pfarrer Thomas Schwartz sagte, dass die Inszenierung sehr liebevoll gemacht sei. Er freute sich, dass so viele Kinder die Möglichkeit nutzten, ein traditionelles Stück und Lieder zu hören, die in der Schule nicht mehr gelernt werden, aber seiner Meinung nach eine wichtige Erinnerungskultur darstellten. 2300 Kinder haben sich für die Saison angemeldet.

Die Sprecher des Tonbildes und die Schauspieler des Vormittagsteams kamen ebenfalls zur Premiere. Gabriele Fixmer, Sprecherin der Eselin, entdeckte viele lustige Elemente. Die Bremer Stadtmusikanten sei eines ihrer Lieblingsmärchen, weil sich die Tiere durch eine positive Einstellung aus ihrer Lebensgefahr befreien können und mit Freunden neue Energie und Kräfte entwickeln. „Wenn Schwache sich zusammen tun, werden sie stark und können am Ende sogar siegen“, resümierte der Sprecher des Hahns Wolfgang Günthel die Aussage des diesjährigen Grimm’schen Märchens. (hese)

 

 Die Bremer Stadtmusikanten

Ein Grimm’sches Märchen mit hoher Aktualität

Bericht u.Bilder von Frau Heike Scherer, Friedberger Allgemeine

Am 3. November ist Premiere des Märchens „Die Bremer Stadtmusikanten“. Es stand erstmals im Jahr 2006 auf dem Programm. 

„Lustig ist das Räuberleben in dem grünen Wald“ singen drei Räuber, als plötzlich eine Eselin, ein Hund, eine Katze und ein Hahn auftauchen. Da der Müller und seine Frau sie wegen ihres hohen Alters nicht mehr brauchen und aussondern wollen, machen sie sich auf den Weg nach Bremen. Warum sie dort nie ankommen, erfahren die Zuschauer bei den Aufführungen der Volksbühne Mering im November. Die Proben und der Kartenvorverkauf begannen mit dem Schulbeginn. Für die Vormittage haben sich bereits 1250 Besucher angemeldet. 

Ellinor Danzfuß –sie schlüpfte in die Rolle der Katze - nahm mit zehn Personen, die bereits mehrfach in den letzten Jahren mit von der Partie waren, das Tonbild neu auf. Einige Redewendungen von früher seien heute nicht mehr aktuell und mussten ersetzt werden, sagt sie. Außerdem brauchte sie das Schreien von Krähen, was im Sommer in Mering gar nicht leicht war. Erst nach mehreren Tagen in einem Kastanienwald hatte sie Erfolg. Die Erzählerin ist Christiane Danzfuß, die Eselin übernahm Gabriele Fixmer. Den Hund spricht Simon Deutsch, Wolfgang Günthel den Hahn. Als Müller ist Hans Schmidt, als Müllerin Susanne Hallerbach zu hören. Den Räubern gaben Vorstand Gottfried Wohlmuth, Hans Vötter und Siegfried Brändle ihre Stimme. Jeweils vier Spieler lassen an den Vormittagen und im Wochenend-team für die Zuschauer die Puppen tanzen. Vormittags sind es Ellinor und Christiane Danzfuß, Hildegard Wenderoth und Christine Hieke unter der Regie von Susanne Hallerbach. An den Wochenenden spielen Simon Deutsch, Lukas Bischofer, Viktoria Hartmuth, Petra Schleehuber und Sonja Hofmann unter Regie von Petra Bischofer. „Da im Stück fast nur männliche Marionetten auftreten, haben wir uns für die Eselin entschieden“, verrät Ellinor Danzfuß. Gemeinsam mit Hund, Katze und Hahn macht sie sich auf den Weg zum Cousin nach Bremen. Die Tiere fertigte Kurt Schiller und sie sind ihm so gut gelungen, dass vor allem die jungen Zuschauer große Freude an der Aufführung haben werden. Jeder Spieler führt im Stück zwei bis drei Marionetten, eine Person ist zusätzlich für den Bühnenumbau zuständig. „Jede Puppe ist ein Individuum und spielt sich anders. Erst nach vielen Jahren habe ich große Erfahrung und keine Angst mehr“, erzählt Christiane Danzfuß. Seit sieben Jahren ist sie mit ihrer Tochter Ellinor achtmal pro Woche im Einsatz. „Danach sind wir wirklich sehr müde“, sagen beide. Die Arbeit als Puppenspieler ist nicht einfach, weil man die ganze Zeit gebückt steht. Außerdem ist die Tribüne, auf der alle vier stehen, sehr eng, vor allem wenn sieben Marionetten fast gleichzeitig auftreten. Die Spieler müssen sich den Text genau einprägen, um ihren Einsatz nicht zu verpassen. Während des Stückes kommen viele bekannte Lieder, teilweise mit anderem Text vor. So singen die Räuber „Lustig ist das Räuberleben in dem grünen Wald“, die Tiere stimmen das Lied „Oh wie wohl ist mir am Abend“ an. Das Märchen enthält eine nach wie vor aktuelle Moral. „In einem Buch fand ich sogar die Bezeichnung einer Hausbesetzung durch ein Rentnerkollektiv“, schmunzelt Ellinor Danzfuß. Es möchte die Auffassung des Müllers und der Müllerin „Alte Tiere müssen ausgesondert werden, weil sie keinen Nutzen mehr bringen und nur noch Geld kosten“ in Frage stellen.

2006