VON HEIKE SCHERER

Mit Schulbeginn startete die erste Probe bei der Meringer Volksbühne für ein neues Märchen der Brüder Grimm. Schon im Januar begannen die Mitglieder mit den Vorbereitungen für das nächste Bühnenstück „Vom Fischer und seiner Frau“, das nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene ab Samstag, 4. November, unterhalten wird. Es ist das 13. Märchen seit dem Beginn der Marionettenbühne im Jahr 1994 mit dem Märchen „Frau Holle“, das aus 13 Szenen besteht, in denen 13 verschiedene Puppen auftreten werden. Der vor etwa zwei Jahren verstorbene Martin Schallermeir gründete im Jahr 1974 die Volksbühne Mering, 20 Jahre später begann er in der Marionettenbühne mit der Aufführung von Märchen der Gebrüder Grimm. Diese alte Tradition möchte das Team mit seinem neuen Bühnenstück gerne fortsetzen. Am 4. November findet die Premiere statt, die Aufführungen für Schulen und Kindergärten sind vom 6. November bis l. Dezember außer mittwochs um 9 und 10.30 Uhr geplant.

Die eigentliche Handlung entspricht dem heutigen Zeitgeist: Jeder strebt danach, immer mehr zu besitzen. Aber es gibt andere, viel wichtigere Werte als das Materielle wie beispielsweise Freundschaft, Liebe und Anerkennung, begründen die Mitglieder der Marionettenbühne ihre Entscheidung, das eher nicht so bekannte Grimm’sche Märchen im Jahr 2017 auf die Bühne zu bringen. So halten der Fischer und sein Hund immer zusammen, egal was auch passiert.

Der Maler Otto Philipp Runge hörte während seiner Tätigkeit auf einer Nordseeinsel die Geschichte in plattdeutscher Fassung und schickte sie sogleich den Gebrüdern Grimm zu. Diese wandelten die Geschichte leicht ab. Die Marionettenbühne Mering spielt das Märchen in der Sprache der Region und baute in die Handlung mit moralischer Botschaft die nette Geschichte einer Tierfreundschaft zwischen Hund und Katze mit ein. Gemeinsam schrieben die Mitglieder in den ersten Monaten des Jahres das Textbuch. Ellinor Danzfuß nahm das Tonbild in 75 Arbeitsstunden auf. Diesmal fiel ihr die Suche nach geeigneten Stimmen nicht so leicht, sagt sie. Karin Albert spricht die Ilsebill, den Fischer übernahm Michael Hofmann. Beide sind wie auch Christoph Seidel als singender und sprechender Hund zum ersten Mal mit von der Partie. Bereits zum dritten Mal konnte Ellinor Danzfuß, die ihre eigene Stimme der Katze verlieh, die Schülerinnen Vivian Elfring und Theresa Urwank für die beiden Nixen am Meeresstrand gewinnen. Für den Butt engagierte sie Wolfgang Güntel, die Rolle des Pfarrers sprach Hans Vötter, Hans Schmidt übernahm den Minister.

„Um die Geräusche beim Auftauchen des Butts aufzunehmen, war ich mit meinen Eltern sogar am Weitmannsee“, verrät sie. Wie bei jeder Aufführung werden zwei Bühnen genutzt. Auf der Hauptbühne treten die Frau und ihre Katze und der Fischer mit Hund auf. Anfangs ist ein Wrack, später ein Haus, ein Schloss und der Papstbau zu sehen, weil die Frau des Fischers immer höhere Wünsche an den Butt stellt. Obwohl ihr Mann weiß, dass es nicht gut ist, macht er für seine ge­liebte Ilsebill alles, was sie von ihm verlangt. Auf der rechten Seitenbühne sind das Meer und der Strand mit Muscheln zu sehen, wo nicht nur zwei Nixen schwimmen, sondern auch der Butt auf Rufen des Fischers immer wieder auftaucht. Regie führt zum zweiten Mal in Folge Susanne Hallerbach, die sich außerdem mit Hilfe von Ellinor und Christiane Danzfuß um die Gestaltung der Hauptbühne kümmerte, sondern auch die Figuren des Fischers, des Hundes und der unzufriedenen Frau in drei Versionen fertigte. Die Nebenbühne gestalteten Viktoria Hartmuth mit Hildegard Wenderoth.

Viktoria Hartmuth erzählt, dass sie in Bezug auf die eventuell kommende Umsetzung der Meringer Vision 2025, die auch eine wesentliche der Veränderung der bisherigen Spielstätte des Theaters zur Folge hätte, eine Bestandsaufnahme über die erforderlichen Räumlichkeiten an Bürgermeister Hans-Dieter Kandler schickte. Das Team benötigt für die Fortführung seiner Arbeit ein Lager, eine Werkstatt, einen Arbeits- und Bühnenraum. Es möchte weiterhin auf einer Doppelbühne in feststehenden Räumlichkeiten spielen. Kandler hat im Falle der Realisierung der Vision 2025 das alte Rathaus als künftige Wirkungsstätte für die Volksbühne Mering im Auge.


Bericht aus der Friedberger Allgemeinen vom 22. September 2017 von Heike Scherer